22.02.2010
Tanja de Wendt in der Rolle Frau Berg
“C.I.S. - Chaoten im Sondereinsatz” (RTL)
14.01.2010
Tanja de Wendt zu Gast in der ZDF neo “Süper Tiger Show”
Bundesverband Stuntleute - erste Schritte
Im September 2008 wurden die ersten Weichen
gestellt, der Stuntbranche eine neue Richtung zu
geben. Der Verband der “German Stunt
Association” wurde gegründet und lud zu einem
Infoabend ein. Ich habe nie zuvor so viele
Stuntleute aus Deutschland an einem Tisch
getroffen. Wie ich meine, ein guter Schritt.
Ziel des Verbandes ist es mit einer Vereinigung
einen Arbeitsschutz zu bewirken, der den
teilweise gefährlichen Voraussetzungen der
Vergangenheit entgegen wirkt. Die
Verbandsgründung von Stuntleuten für
Stuntleute hat einen neuen Impuls auf den Markt
gebracht. Kontroverse Diskussionen werden geführt. Ich hoffe auf eine konstruktive Gemeinschaft, die das
gemeinsame Ziel aller Stuntleute vereint:
Maximale Sicherheit für jeden einzelnen!
Weitere Infos: Bundesverband Stuntleute (BvS)
Stunt Koordination - Horst Schlämmer als Stuntfahrer
09.02.2007 Der nette Herr Schlämmer will bei den Dreharbeiten partout selbst in den Wagen crashen. “Okay, aber
nicht ohne Training”, teile ich ihm mit. Ich besorge zwei Crashfahrzeuge, nehme auf dem Beifahrersitz Platz und
schildere ihm Risiko und Sicherheiten. Horst Schlämmer begibt sich vertrauensvoll und interessiert in meine Hände,
aber auch ich vertrauensvoll (und angeschnallt) in seine. Der erste gemäßigte Aufprall erstaunt ihn doch. “Da tut
sich schon ordentlich was”, schaut er mich verblüfft an.
Prima, denk ich, Lerneffekt erzielt. Wir wiederholen ein paar Mal, bis ich ihm mitteile, dass wir soweit durch sind.
Aber da man ja sonst nicht die Gelegenheit hat, biete ich ihm an, weiter zu fahren. Macht ja auch Spaß.
Schlämmer: “Ja, ne? Irgendwie macht’s ja auch Spaß!” Setzt prompt den Wagen zurück, crasht rein, zurück, rein,
schiebt den anderen Wagen vor sich her. “Herr Schlämmer???”
Er hat richtig Spaß daran gefunden und beim Dreh einen prima Crash hingelegt. Wer seinen Tag mit dem
charmanten Esprit von Horst Schlämmer erhellen möchte, sollte ihn auf seiner Web-Seite besuchen:
Schlaemmerblog
Tatort - Blutsbande
Leute, Leute, ich kann Euch sagen. Da steh ich nachts auf der Autobahn und habe vor mich umzubringen. Ich
überquere den Gegenverkehr, einige PKWs weichen im letzten Moment aus, ein Tanklastzug rast auf mich zu. Ich
bleibe teilnahmslos stehen, bereit mich überrollen zu lassen. Der Tanklaster hupt, Lichthupe, ein Gigant! Mehr als
einmal zuckt es in mir. Jede Pore schreit: “Lauf! Renn weg!”. Aber ich bleibe. Noch ein Hauch. Im letzten Augenblick
kommt die Kommissarin angeflogen, wirft sich gegen mich und wir überschlagen uns in den Graben. Der Tanklastzug
rauscht vorbei.
Natürlich eine Filmsequenz. Die Kommissarin wurde ebenfalls von einer Stuntfrau gedoubelt. Unser Teamwork hat
prima funktioniert. Meinen Dank dafür, denn darauf kommt es an.
(SWR, Tanja de Wendt als Stuntdouble für Janina Stopper)
25.07.2006 Tod eines Stuntman
Die Nachricht des bei Dreharbeiten tödlich verunglückten Stuntman erreichte mich am Morgen des 21.07.2006, kurz
vor der Abreise zu Stuntdreharbeiten. Ich war geschockt und tief betroffen.
Als Stunt Koordinatorin hatte ich für den kommenden Tag die Verantwortung für die Durchführung und Sicherheit bei
einem Autoüberschlag mit Explosion zu tragen. Stuntfahrer und Team vertrauten
auf meine langjährige Erfahrung. Alles war bis ins kleinste Detail sorgfältig geplant
und vorbereitet.
Die Verantwortung wog an diesem Tag doppelt. Ich habe alle Sicherheitssysteme
mehrfach gecheckt, korrigiert und abgewogen. Dann kam der Punkt an dem ich
unter Berücksichtigung aller sicherheitstechnischen Maßnahmen entschied: Die
Sache ist "safe". Der Augenblick, in dem ich auf meine gesamten Kenntnisse, den
Stuntfahrer, das Team vertrauen muss und diese auf mich. Die Luft prickelt,
angespannte Nervosität ist zu spüren, Konzentration auf den Punkt. Jeder weiß:
Ein Restrisiko bleibt, auch unter den höchsten Sicherheitsvorkehrungen. Garantien
gibt es nicht.
Die Kameras laufen, das "Go!" für den Stuntfahrer. Der Wagen rast heran, trifft die
Rampe, eine gewaltige Explosion, der Pkw überschlägt sich in der Luft, erster Einschlag, weitere bis er schließlich auf
dem Dach liegend zum Stehen kommt. Ich zähle: 21, 22, 23 - und los! Meine Kollegen und ich sprinten zum Wagen.
Die erste Frage: "Bist Du o.k.?". Der Stuntfahrer bestätigt uns, dass alles in Ordnung ist, wir beginnen mit der
Bergung. Alles verläuft an diesem Tag planmäßig, die Freude und Erleichterung steht uns ins Gesicht geschrieben.
Ich habe meinen Beruf als Stuntfrau und Stuntkoordinatorin gewählt, weil er für mich eine stetig neue
Herausforderung darstellt und mich die "gängigen" Grenzen des Lebens in gewissem Maß erweitern lässt. Er
bedeutet ein Stück Freiheit, unglaublich viel Lebenserfahrung und ist Teil einer Leidenschaft, die mich erfüllt.
Dies sind einige Gründe, warum wir bereit sind das Restrisiko zu tragen. Wir haben uns bewusst für diesen Beruf
entschieden.
Mein tiefes Beileid und Anteilnahme gilt der Familie, wie auch dem Stunt- und Filmteam, die das tragische Ende des
verstorbenen Stuntman erleben mussten. Es ist der Augenblick, in dem wir uns als Stuntleute noch einmal intensiv
unseres Risikos bewusst werden und hinterfragen. Wir müssen immer wieder neu abwägen, einschätzen und alles
dazu tun, dass unsere Stunts dem höchsten Sicherheitsstandard entsprechen.
Ich wünsche mir, dass dieser tragische Unfall nicht umsonst gewesen ist. Die Stuntbranche befindet sich im stetigen
Wachstum. Sie ist bis heute nicht geschützt. Wir haben keine Lobby. Professionelle Arbeit und hohe
Sicherheitsstandards, wie auch die soziale Absicherung von Stuntfrauen und -männern, erfordern ein den
Umständen entsprechendes Budget und Regelungen. Leider sind es heutzutage vermehrt die Ausnahmen, wo uns
dieses Budget zur Verfügung steht. Für unsere Regelungen haben wir bis heute selbst gerade zu stehen. Im Grunde
genommen gibt es keine.
stuntpunkt Tanja de Wendt